Klimt–Info

Biografie & Meilensteine


Gustav Klimt (1862-1918) steht für eine Epoche die bis heute fasziniert und nachklingt: die Moderne. Der
Künstler hat ganz besonders in Wien seine Spuren hinterlassen und gemeinsam mit seinen Wegbegleitern,
darunter v.a. Josef Hoffmann, Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, Richard Gerstl, Egon Schiele und Oskar
Kokoschka, die Zeit um 1900 entscheidend mitgeprägt. Das Wien an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war neben Paris, München oder London einer der Geburtsorte der Moderne, als Reichs- und Residenzstadt der österreich-ungarischen Monarchie ein geistiger Mittelpunkt Europas und mit zwei Millionen Einwohnern im Jahr 1910 die fünftgrößte Stadt der Welt. Bildende Kunst, Literatur, Musik, Architektur und Wissenschaft erlebten einen Höhepunkt, es entstand Neues und Wegweisendes und das in einer Dichte und Geschwindigkeit, die ihresgleichen sucht. Künstlerisch spiegelt das Werk von Gustav Klimt diesen Weg von der „Ringstraßenzeit“ des Historismus bis in die Anfänge der Abstraktion ganz einzigartig wider. Seine bedeutendsten Meilensteine auf dem Weg zum „Gesamtkunstwerk“ werden in den folgenden biografischen Etappen näher skizziert.

1862
Geboren am 14. Juli 1862 als zweites von sieben Kindern des Ehepaares Ernst Klimt (1834-1892) und Anna (1836-1915, geb. Finster) in der Linzer Straße 247 in Baumgarten bei Wien.

1867–1875
Absolviert die Volks- und Bürgerschule. Die Familie Klimt übersiedelt von der Vorstadt nach Wien 8, Lerchenfelder Straße, kurz darauf nach Wien 7, Neubaugasse 51.

1874
Die Familie Klimt bezieht eine Wohnung in Wien 15, Märzstraße 48.

1875
Die Familie Klimt übersiedelt nach Wien 15, Märzstraße 40.

1876–1878
Besuch der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute: Universität für angewandte Kunst Wien) bis 1883. Auch Klimts Brüder Ernst (1864-1892) und Georg (1867-1931) studieren kurz darauf dort. Kennenlernen von Franz Matsch (1861-1942).

1877
Umzug der Familie Klimt nach Wien 7, Neubaugasse 8.

1878
Umzug der Familie Klimt nach Wien 6, Mariahilfer Straße 75.

1879
Mitarbeit am Festzug von Hans Makart (1840-1884) zu Ehren der silbernen Hochzeit von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth.

Vor 1883
Atelier in der Kunstgewerbeschule, Wien 1, Stubenring 3.

1883
Gründung der „Künstler-Compagnie“ mit Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch, gemeinsame Aufträge bis 1892. Die Künstlervereinigung bezieht ein Atelier in Wien 6, Sandwirthgasse 8 und orientierte sich künstlerisch am gefragten Stil des Historismus bzw. an Hans Makart, der durch seinen Tod im Jahr 1884 eine Lücke hinterließ, die es zu füllen galt.

1883–1886
Dekorationen für die Theater in Fiume (heute Rijeka)
und Karlsbad. Deckengestaltung der Hermesvilla in Wien für Kaiserin Elisabeth.

1888/89 

Die Familie Klimt übersiedelt nach Wien 7, Stuckgasse 6. Reisen nach Innsbruck, Salzburg und an den Königssee, nach Krakau, Triest und München. Aufenthalte in St. Wolfgang und Gmunden.

1890
Kaiserpreis (400 Dukaten, heute ca. 25.500 Euro) für das Bild Der Zuschauerraum des alten Burgtheaters. Rund 150 Mitglieder der Wiener Gesellschaft und zahlreiche prominente Burgtheaterabonnenten sind darin festgehalten. Die Familie Klimt übersiedelt in eine Wohnung in Wien 7, Burggasse 47. Die Künstler-Compagnie bezieht ein Atelier in Wien 8, Josefstädter Straße 21. Erste Bekanntschaft der Familie Flöge und Klimt. Reisen nach Venedig, Bozen und nach Kärnten.

1891
Fresken für das Treppenhaus im Wiener Kunsthistorischen Museum. Aufnahme in die Genossenschaft bildender Künstler Wiens (heute: Künstlerhaus). Gesellschaftlicher Aufstieg. Ernst Klimt heiratet Helene Flöge (1871-1936), dadurch erste Kontakte zu Emilie Flöge (1874-1952).

1892
Tod des Vaters im Juli sowie des Bruders Ernst im Dezember. Klimt übernimmt die Vormundschaft für seine Nichte Helene „Lentschi“ (1892-1980). Auflösung der Künstler-Compagnie, Klimt bleibt im Atelier in der Josefstädter Straße 21. Künstlerische Krise und Neuorientierung. Karl Schuster gestaltet eine Fotoreihe mit dem jungen Künstler. Reise nach Totis in Ungarn.

1893
Silbermedaille der Künstlerhausausstellung für das Bild Zuschauerraum des Theaters im Schloss Esterházy in Totis. Nominierung für eine Professur an der Spezialschule für Historienmalerei an der Akademie der bildenden Künste, der Lehrstuhl geht jedoch an den polnischen Künstler Kasimir Pochwalski (1855-1940).

1894
Auftrag für die Fakultätsbilder für den Aula der Wiener Universität Wien. Klimt entwirft die allegorischen Darstellungen Die Philosophie, Die Medizin, Die Jurisprudenz und die Zwickelbilder, Matsch gestaltet Die Theologie und das große Mittelbild.
Klimt beendet seine Gemälde erst 1907, es ist sein letzter Auftrag aus öffentlicher Hand und erregt großes öffentliches Aufsehen. Umzug in eine Wohnung in Wien 7, Westbahnstraße 36, gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder Georg und seinen unverheiratet gebliebenen Schwestern Klara (1860-1937) und Hermine (1865-1937), wo er bis zu seinem Tode wohnt.

1895
Auftrag für die Gestaltung des Musikzimmers im Palais Dumba in Wien mit den Supraportenbildern Musik und Schubert am Klavier. Erste bekannte Korrespondenz mit Emilie Flöge vom 16. Februar.

1896
Mitglied im Kuratorium der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst.

1897
Gründungsmitglied der Wiener Secession und erster Präsident bis 1899. Austritt aus der Genossenschaft bildender Künstler Wiens. Reise nach München. Über den Sommer mit Emilie Flöge und ihren Schwestern in Fieberbrunn in Tirol. Klimt entwirft Skizzen für das künftige Gebäude der Secession. Erste bekannte Korrespondenz mit Marie „Mizzi“ Zimmermann (1879-1975) am 18. November.

1898
Erste Ausstellung in der Secession (26. März bis 15. Juni). Erste Publikation der Zeitschrift Ver Sacrum. Mitglied der Münchner Sezession. Die Kunstkommission des Unterrichtsministeriums kritisiert Klimts Fakultätsbilder, er wird zur Überarbeitung der Motive aufgefordert. Für die weiteren Ausführung mietet er parallel zum Atelier in der Josefstädterstraße bis 1907 ein zweites Atelier mit höheren Räumen in Wien 8, Florianigasse 54. Sommerfrische in St. Agatha im Salzkammergut, erste Landschaftsgemälde entstehen.
Eröffnung der zweiten Secessionsausstellung (13. November) im neuen Secessionsgebäude von Joseph Maria Olbrich (1867-1908). Ab nun Porträtist der gehobenen Wiener Gesellschaft.

1899
Aufenthalte in Italien. Sommerfrische im Salzburger Golling. Klimts Landschaftsgemälde haben ab nun nur mehr quadratisches Format.
Erste bekannte Korrespondenz mit Maria Ucicka (1880-1928) vom 12. Juni. Im Juli erblickt Gustav Ucicky (gest. 1961), Sohn von Gustav Klimt und Maria Ucicka, das Licht der Welt. Im September wird Gustav Zimmermann (gest. 1976), Sohn von Gustav Klimt und Marie Zimmermann, geboren.

 1900
Ausstellung erster Landschaftsbilder sowie des Fakultätsbildes Die Philosophie in der Secession. Kunstskandal in Wien und Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung. Erstmals Sommerfrische am Attersee im Kreise der Familie Flöge. Ab diesem Zeitpunkt ist der Attersee bis 1916 sein regelmäßiges Sommerdomizil, bis 1907 verweilt er dort im Gästehaus des Bräuhofs in Litzlberg.

1901
Ausstellung des Fakultätsbildes Die Medizin in der Secession gemeinsam mit am Attersee entstandenen Werken. Erneut Kritik und Empörung über die Fakultätsbilder. Klimts Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste wird abgelehnt.

1902
Präsentation des 34 Meter langen Beethovenfrieses anlässlich der 14. Ausstellung in der Secession. Otto, der zweite Sohn von Gustav Klimt und Marie Zimmermann wird geboren, er stirbt jedoch noch im selben Jahr.

1903
Gründung der Wiener Werkstätte durch Kolo Moser (1868-1918), Josef Hoffmann (1870-1956) und Fritz Waerndorfer (1868-1939). Reisen nach Italien, u.a. nach Ravenna und Rom. Dort wichtige Inspirationen für die „goldene Periode“. Große „Klimt-Kollektive“ in der Secession mit über 80 Werken, darunter alle drei Fakultätsbilder.

1904
Auftrag für den Mosaikfries im Palais Stoclet in Brüssel. Das 1910/11 fertiggestellte Palais gilt als das Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte. Emilie Flöge eröffnet den Modesalon „Schwestern Flöge“ im Haus „Casa Piccola“ in Wien 6, Mariahilfer Straße 1b.

1905
Offizieller Verzicht auf den Auftrag der Fakultätsbilder und Rückerstattung der Anzahlung. Austritt der Klimt-Gruppe aus der Secession. Friedrich Viktor Spitzer (1854-1922) gestaltet eine Porträtserie mit Gustav Klimt.

1906
Präsident des neu gegründeten Österreichischen Künstlerbundes. Reisen nach Brüssel, London, Deutschland und Italien. Klimt fotografiert Emilie Flöge in Reformkleidern während ihrer Sommerfrische am Attersee.

1907
Die Hetärengespräche von Franz Blei (1871-1942) werden mit erotischen Zeichnungen von Klimt illustriert. Ausstellung der Fakultätsbilder in Berlin. Bekanntschaft mit Egon Schiele (1890-1918).

1908 
Die Klimt-Gruppe veranstaltet die erste Wiener Kunstschau auf dem Baugrund des späteren Wiener Konzerthauses, dort Ausstellungsdebüt von Oskar Kokoschka (1886-1980) auf Vermittlung Klimts. Moritz Nähr (1859-1954) fotografiert einige der ausgestellten Werke von Klimt. Das Unterrichtsministerium erwirbt das Gemälde Der Kuss. Madame d’Ora (1881-1963, eigentlich Dora Kallmus) gestaltet eine repräsentative Fotoserie mit dem Künstler. Das Historische Museum der Stadt Wien (heute: Wien Museum) erwirbt Klimts Porträt von Emilie Flöge. Während seiner jährlichen Sommerfrische am Attersee wohnt Klimt ab nun bis 1912 in der Villa Oleander in Kammerl, einem Ortsteil von Kammer-Schörfling.

1909
Egon Schiele nimmt auf Vermittlung Gustav Klimts an der Internationalen Kunstschau in Wien teil. Reisen nach Frankreich, Spanien und Tschechien. Ausstellungen in München, Berlin und Wien.
Moritz Nähr und Pauline Kruger Hamilton (1870-1918) gestalten unabhängig voneinander Porträtserien von Klimt. Heinrich Böhler (1811-1940) fotografiert Klimt und Emilie Flöge am Attersee.

 1910
Teilnahme an der 9. Biennale in Venedig. Weitere Ausstellungen in Prag, Berlin und Wien.

1911
Fertigstellung des Mosaikfrieses für das Palais Stoclet in Brüssel. Teilnahme an der Internationalen Kunstausstellung in Rom, 1. Preis für das Gemälde Tod und Leben.
Moritz Nähr fotografiert Klimt im Garten seines Ateliers in der Josefstädter Straße 21 im blauen Malerkittel mit Katze sowie den Vorraum des Ateliers. Klimt ist gezwungen, sein Atelier in Wien 8 zu verlassen, er zieht interimistisch in die kaum genützte Villa von Helene Hochstetter auf der Hohen Warte. Auf Vermittlung von Felix Albrecht Harta (1884-1967) bezieht Klimt wenige Monate später in Wien 13,Feldmühlgasse 11, sein letztes Atelier.

 1912
Präsident des Bundes österreichischer Künstler. Teilnahme an der Großen Kunstausstellung in Dresden. Gustav (gest. 1989), das erste gemeinsame Kind von Klimt und Consuela Camilla „Ella“ Huber (1896-1978), wird geboren. Kur in Bad Gastein gemeinsam mit Emilie Flöge.

1913
Ausstellungsbeteiligungen in Budapest, München und Mannheim. Erneut Kur in Bad Gastein mit Emilie Flöge. Während eines Sommeraufenthalts am Gardasee verstärkte Auseinandersetzung mit Architekturmotiven. Kurzer Aufenthalt am Attersee im September, die einzige Farbfotografie von Klimt entsteht: Friedrich G. Walker lichtet Klimt und Emilie Flöge mittels Lumière-Autochrome-Platten ab.

1914
Teilnahme an der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Prag. Aufenthalte in Brüssel und Bad Gastein. Charlotte (gest. 1915), gemeinsame Tochter von Klimt und Consuela Camilla Huber, wird geboren. Klimt erfährt vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs während seiner Sommerfrische am Attersee. Dort verweilt er von 1914 bis 1916 im ruhigeren Süden des Sees, im Forsthaus in Weißenbach.
Anton Josef Trčka (1893-1940, „Antios“) gestaltet eine Porträtreihe mit Klimt. Schnappschüsse im Tivoli und in Schönbrunn entstehen.

1915
Tod von Klimts Mutter Anna im Februar. Consuela Camlilla Hubers zweiter Sohn mit Gustav Klimt, Wilhelm (gest. 1943), wird geboren. Sommerfrische am Attersee. Ausstellung Wiener Künstler in Zürich.

1916
Ausstellungsbeteiligung an der Wiener Kunstschau in der Berliner Secession mit Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Schieles Gemälde Entschwebung wird dort gegenüber Klimts Tod und Leben präsentiert.
Reise zur Familie Primavesi nach Winkelsdorf in Mähren, dort entstehen Fotografien während eines der beliebten Kostümfeste.

1917
Ehrenmitglied an den Akademien der bildenden Künste in Wien und München. Reisen nach Bad Gastein, ins Zillertal und zur Familie Primavesi nach Winkelsdorf in Mähren. Von dort letzte bekannte Karte an Emilie Flöge vom 30. Dezember.

1918
Gustav Klimt stirbt am 6. Februar im Allgemeinen Krankenhaus an den Folgen eines Schlaganfalls. Drei Tage später Beerdigung auf dem Hietzinger Friedhof. Josef Hoffmann entwarf ein Grabmal für Klimt, es kam nie zur Ausführung. Egon Schiele zeichnet den Verstorbenen noch am Totenbett und bemüht sich um die Übernahme seines letzten Ateliers in der Feldmühlgasse, verstirbt jedoch noch im selben Jahr an der Spanischen Grippe. Klimts Atelierräumlichkeiten – das Gartenhaus, das Studio und das Empfangszimmer – werden nach Klimts Tod von Moritz Nähr fotografiert und sind somit für die Öffentlichkeit dokumentiert. Die Gemälde Die Braut und Dame mit Fächer verblieben unvollendet auf der Staffelei.